Sonntag, 30. August 2015

Die Berufene - keine Angst, ich beiße nicht!

Quelle: Droemer Knaur
Die Berufene 
von M. R. Carey  
Originalverlag: Orbit, London - 2014
aus dem Amerikanischen von Charlotte Lungstrass-Kapfer & Momo Evers 


Erscheinungstermin: 01. Oktober 2014
TB-Klappenbroschur Quality Paperback
512 Seiten, 21,0x13,5cm


ISBN: 978-3426515136  
€ 14,99 (D) | € 15,50 (A) 
ebook EUR (D) 12,99 


Verlag: Knaur TB


der Autor:

M. R. Carey ist das Pseudonym eines britischen Fantasy-Autors, der bisher besonders im Comic-Bereich erfolgreich war ( er schrieb unter anderem für die Reihen "X-Men" und "Fantastic Four"). Seine eigenen Comics sind regelmäßig auf der New York Times Comic-Bestsellerliste vertreten. Außerdem hat er bereits weitere Romane und ein Hollywood-Drehbuch verfasst..


Klappentext:

Großbritannien, in nicht allzu ferner Zukunft: Ein grauenhafter Parasit befällt die Menschheit. Millionen sind bereits infiziert und bedrohen die wenigen Gesunden. Alle Hoffnungen ruhen auf einer Schar Kinder, die anders auf den Erreger reagieren. Auf einer entlegenen Militärbasis halten Wissenschaftler sie gefangen – zu allem entschlossen, um ihnen ihr biologisches Geheimnis zu entreißen. Doch es läuft nicht nach Plan ... 


Zitate:
"Wenn sie deinen Geruch wittern, verfolgen sie dich viele 100 Kilometer weit, und wenn sie dich erwischen, fressen sie dich auf." Seite 9
"Ihr seid Kinder. Für euch ist es quasi unmöglich, sich den Tod auszumalen, weil Kinder immer in dem Bewusstsein leben, dass alles ewig andauern wird." Seite 31
"Sie streichelt mit der Hand Melanies Kopf, als wäre das die natürlichste und normalste Sache der Welt. <…> Und nun berührt Miss Justineau ihren Kopf, und es ist fast unerträglich schön." Seite 36
"Freitag ist Miss-Justineau-Tag. Normalerweise wäre das Grund zu großer, ungetrübter Freude, doch diesmal mischt sich Angst in Melanies Vorfreude. Fast hätte sie Miss Justineau gefressen." Seite 100  

Charakter:

Die kleine Melanie ist erst 10 und trotzdem trägt sie ihr Martyrium tapfer. Sie lebt, wie die anderen „Versuchskaninchen“ in einer Zelle auf einem Stützpunkt und weiß weder was sie ist, noch woher sie kommt. 
Eine ihrer größten Ängste ist der Besuch von Dr. Caldwell. Diese bedeuten immer eine Abweichung von der Routine und auch nie etwas Gutes. Routine ist eins der wenigen Dinge, woran Melanie sich klammert. Das und natürlich Miss Justineaus Unterricht ;)
Sie liebt griechische Sagen so sehr, dass sie am liebsten sie ihren Namen in Pandora ändern und den ganzen Tag den Geschichten lauschen würde.
Das wichtigste Merkmal an Melanie ist wohl, dass sie zum Teil immun gegen die Seuche ist.
Ob das nun Fluch oder Segen ist, muss wohl jeder selbst entscheiden.


Meinung: 

Empfangen werden wir von einem wahrlich schaurigen Szenario:
Kinder werden in Zellen weggesperrt und vor dem Unterricht an Stühlen so festgezurrt, dass so gut wie keine Bewegung möglich ist. Man merkt deutlich, dass die Menschen um sie herum Angst vor ihnen haben. Einmal pro Woche werden sie mit Maden gefüttert und in der Dusche desinfiziert...
Bereits hier werden wir mit dem beklemmenden Kontrast zwischen kindlicher Naivität und der Situation der Menschheit sowie vor allem der eingesperrten Kinder konfrontiert. Keines der Kinder war jemals draußen in der Natur, die Zellen haben noch nicht mal kleine Fenster. 

Was wirklich sehr hart klingt, ist nichts weiter, als der verzweifelte Versuch, die übrig gebliebene Menschheit vor dem Untergang zu bewahren. Aber rechtfertigt der Zweck wirklich jedes Mittel? Sind die Schüler des Stützpunkts tatsächlich reine Forschungsobjekte, oder sind sie nicht ebenso Kinder? Wir finden uns des Öfteren konfrontiert mit ethischen und moralischen Grenzen und Grauzonen. Wo beginnt der Überlebenswille und wo hört die Menschlichkeit auf?

Zwei Jahrzehnte nach dem Zerfall forschen eine paar Wissenschaftler an dieser Gruppe von halb immunen Kindern. Sie wurden durch die Pilzmyzelien nicht zu Hungernden, im Gegensatz zum Großteil der Bevölkerung.
Aber so richtig gesund sind sie dann auch nicht. Sie reden, denken und verhalten sich wie Kinder, aber sobald sie menschliches Fleisch riechen, übernimmt der Erreger in ihrem Hirn die Führung und alles was sie wollen, ist fressen.
Für den Großteil der Wissenschaftler steht fest, dass diese Kinder erforscht und am Ende gar seziert werden müssen, um das Überleben der Menschheit zu sichern, indem sie hierdurch ein Heilmittel finden.
Aber eine der Lehrerinnen ist dieser Vorgehensweise auf Dauer nicht gewachsen. Sie sieht Kinder, nicht Zombies, was sie und die anderem auf dem Stützpunkt vor ein großes Problem stellt…

Unter den Kindern befindet sich auch Melanie. Sie ist hochintelligent und erträgt die Strapazen, wie die wöchentliche Dusche mit Chemikalien oder die Fütterung in Form von Maden ohne Murren, solange sie zum Unterrichtstag von Miss Justineau kann.
Diese liebt Melanie nahezu abgöttisch und diese bedingungslose, kindliche Liebe, die bereits durch ein Minimum an Menschlichkeit in Melanie hervorgerufen wird, ist erschreckend und wunderschön zugleich. Auch wenn es im realen Leben (vermutlich?) keine Zombies gibt, diese Liebe ist authentisch, genau so, wie Kinder eben lieben (auch, wenn manche diese große und oftmals naive Liebe nicht wirklich verdienst haben). 
Und obwohl Melanie und ihre „Klassenkameraden“ jederzeit bewacht und behandelt werden wie Tiere, sollen sie nicht die einzige oder größte Bedrohung bleiben… Denn schneller als den Bewohnern des Stützpunktes lieb ist, geht es für sie nur noch ums nackte Überleben.

M.R. Carey beschreibt die Situation und vertieft die Charaktere, indem wir nach und nach etwas über ihren Background, ihre Beweggründe und Motivationen erfahren. Er macht dies in einem derberen Schreibstil, der meiner Meinung nach perfekt zum Szenario der Geschichte passt. So wirkt das Ganze authentisch und ruft auch den ein oder anderen Schmunzler in zumeist doch wirklich düsteren Szenen hervor.

Doch diese Geschichte beschreibt nicht nur die Flucht vor Zombies, sondern auch eine Reise ins Innere der Charaktere, was dem Ganzen eine ganz andere Art von Tiefgründigkeit verleiht. Wer denkt, es handle sich bei diesem Buch um ein typisches Endzeitszenario - weit gefehlt!

Die Berufene war für mich zugleich ein wunderschönes und doch schreckliches Buch das sehr zum Nachdenken anregt. Diese Geschichte wird mir bestimmt noch eine ganze Weile im Gedächtnis bleiben und mich beschäftigen! 


mein Fazit: 
                                 5 von 5 Sternen



Diese und meine anderen Rezensionen sind auch zu finden bei: Google+LovelybooksWas liest du?Amazon, Goodreads und Facebook


Mittwoch, 26. August 2015

Im Schlaf komm ich zu dir - Schaurige Faszination dunkle Seite

Quelle: heyne>fliegt
Im Schlaf komm ich zu dir

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Originalverlag: Flux, Woodbury/Minnesota
aus dem Amerikanischen von Beate Brammertz

Erscheinungstermin: 24. August 2015
Paperback, Klappenbroschur, 
400 Seiten, ab 13 Jahren; 13,5x20,6cm
ISBN: 978-3-453-26813-5

€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 20,50* (*empf. VK-Preis) 
ebook € 11,99 [D] | CHF 15,00 * (*empf. VK-Preis) 

Verlag: heyne>fliegt



die Autorin:

Jennifer R. Johansson hat Public Relations und Psychopathologie studiert. Gerade Letzteres hilft ihr sehr bei der Ausgestaltung ihrer Figuren. J. R. Johansson schreibt hauptberuflich und lebt mit ihrer Familie mitten in der Natur. 


Klappentext:

Der siebzehnjährige Parker ist total am Ende: Seit vier Jahren hat er nicht mehr geschlafen. Stattdessen ist er dazu verdammt, Nacht für Nacht die Träume desjenigen mitzuerleben, dem er vor dem Schlafengehen zuletzt in die Augen geschaut hat. Er durchleidet fremde Ängste, erfährt dunkelste Geheimnisse – und darf niemals selbst träumen oder schlafen. Wenn sich nicht schnell etwas ändert, wird er sterben. Da trifft er Mia, und in ihren entspannenden Traumbildern findet er endlich Ruhe. Er beginnt sie zu verfolgen, um sicherzustellen, dass er in ihren nächtlichen Visionen landet. Doch damit erweckt er ihr Misstrauen. Denn sie wird schon längere Zeit von einem gefährlichen Stalker verfolgt. Plötzlich sind sie beide in höchster Gefahr.


Zitate:
"Ich wollte die Augen schließen, doch die Gefühle des Träumers waren das Schlimmste. Vor ihnen konnte ich mich nicht verstecken.Seite 11
"Am meisten Angst hatte ich davor, eines der Monster zu werden, die ich so häufig in den Träumen anderer gesehen hatte, und nicht in der Lage zu sein, nach meinem eigenen Kodex, meinen eigenen Moralvorstellungen handeln zu können." Seite 29
"Ich spürte die Finsternis, die sich aus den Albträumen der anderen in mein Gehirn hineinwand. Wie lange würde es noch dauern, bis sie mich veränderte - meine Vorstellung von dem, was normal war? Oder hatte sie das bereits?Seite 96 

Charakter:

Parker wäre gerne ein ganz normaler Teenager, mit allem, was dazu gehört. Leider ist ihm das auf Grund des andauernden Schlafmangels nicht möglich. Chronisch übermüdet ist er zu den meisten Dingen, die Jugendliche machen, erst gar nicht in der Lage. Keine Mädchen, kein Ausgehen... Nur er, gefangen in seinem nie zur Ruhe kommendem Körper. Selbstverständlich leiden darunter auch seine Noten, was sein Verhältnis zu seiner Mutter -zusätzlich zu ihrer Sorge um ihn- noch erschwert. Auch leidet er sehr darunter, dass sein Vater sie vor Jahren einfach verlassen hat.


Meinung: 

In Parkers Leben läuft etwas grundlegend schief. Seit Jahren hat er nicht mehr geschlafen, sein Körper lässt das einfach nicht zu. Er ist dazu verdammt, den Traum des letzten Menschen, dem er abends in die Augen geblickt hat, mitzuerleben, und das ist wahrlich kein Zuckerschlecken! 
In diesen Träumen erlebt er wirklich alles, was man sich nur vorstellen kann. Intimes, Geheimes, Grauenvolles, es ist von allem etwas dabei. Ängste, Wünsche, aber auch menschliche Abgründe... 
Als "Traumseher" fühlt er sogar die Emotionen der jeweiligen Träumer.

Da das natürlich alles sehr unglaubwürdig klingt, kann er leider auch mit niemandem darüber sprechen. Zu groß ist seine Angst in die Psychiatrie eingewiesen zu werden. So kommt es, dass er trotz seiner Mutter und seiner besten Freunde Finn und Addie, weitestgehend alleine ist. Und mittlerweile, selbstverständlich auch dem körperlichen Verfall geschuldet, sind sowohl seine Mutter als auch sein Arzt überzeugt, dass er ein Drogenproblem habe. Aber seine wahren Probleme sind bedeutend schlimmer... 

Nicht nur, dass er sich jeden Abend einen Plan zurechtlegen muss, wem er zuletzt in die Augen schaut, nein, es kommt noch schlimmer! Denn so langsam wird ihm bewusst, dass sein Körper diese Strapazen nicht ewig weiter verarbeiten kann... Durch den Schlafentzug weist er bereits das erste Symptom, den Tremor, auf. Was darauf folgen wird, ist ihm nur allzu schmerzlich bewusst. Psychose und Tod... Er muss einen Weg finden, ENDLICH wieder zu schlafen, sonst wird er das nicht überleben können. Doch dann begegnet er Mia...

Ihre Träume sind im Vergleich zu allen anderen nur einschichtig und somit ruhiger. Warum, dass versteht er selbst nicht. Er realisiert jedoch, dass es ihm dadurch in ihren Träumen möglich ist, zu schlafen und sogar zu träumen. Das ist alles, was für ihn zählt. Denn nur so hat er eine Chance zu überleben. 

Zu spät bemerkt er, dass er ihr gegenüber eine Obsession entwickelt, die ein gesundes Maß bei Weitem übersteigt. Nach und nach steigert sich ihre Angst vor ihm bis hin zur Panik, da sie ja nicht wissen kann, warum er immer und überall auftaucht, wo sie sich befindet.
Und langsam aber sicher droht er so auch seinen besten Freunde Finn und Addie zu verlieren, die entsetzt und enttäuscht sind davon, was aus Parker geworden ist. Er muss das irgendwie wieder grade biegen, was gar nicht so einfach ist, denn sein Wunsch nach Schlaf hat sich zur Sucht entwickelt und seine dunkle Seite droht sich selbstständig zu machen. Dabei bemerken die drei die Gefahr, in der sich Mia tatsächlich befindet erst spät...

Durch den gewählten jugendlichen Schreibstil, mit dem das Geschehen aus Parkers Sicht erzählt wird, wird das Grauen für uns Leser nur umso authentischer. Die Dunkelheit, die ihn zu verschlingen droht und die damit verbundene Obsession zieht einen tief in ihren Bann. Sie sind verstörend und faszinierend zugleich und lassen den Leser gefesselt Seite um Seite tiefer in das Geschehen eintauchen. 
Aber auch die anderen Charaktere kommen nicht zu kurz. Sie sind liebevoll gestaltet geben der Storyline, zusammen mit den von der Autorin kreierten Traumwelten zusätzliche Tiefe und Faszination.
Eine absolut spannende Geschichte und wahrlich grausame Vorstellung! Das Buch aus der Hand zu legen, war mir nahezu unmöglich!

Eine klare Leseempfehlung von mir an alle, die sich gerne von Abgründen und der dunklen Seite faszinieren lassen! 

Ein düsteres und geheimnisvolles Buch. Ich hoffe sehr, dass Band 2 (Paranoia) und 3 (Mania) auch noch ihren Weg zu uns finden werden :) 


Vielen herzlichen Dank an heyne>fliegt für dieses Rezensionsexemplar! 


mein Fazit: 
                                 5 von 5 Sternen



Diese und meine anderen Rezensionen sind auch zu finden bei: Google+LovelybooksWas liest du?Amazon, Goodreads und Facebook

Sonntag, 16. August 2015

Nebelkind - Ein Blick auf menschliche Abgründe

Quelle: Blanvalet
Nebelkind

Originaltitel: Märkta for livet 
Originalverlag: En & Ett, Stavsjö; 2013

Aus dem Schwedischen von Annika Krummacher 

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Erscheinungstermin: 17. August 2015 
Taschenbuch, Klappenbroschur, 
448 Seiten12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-7341-0069-7 
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90 * (*empf. VK-Preis)
ebook € 8,99 [D] | CHF 12,00 * (*empf. VK-Preis)

Verlag: Blanvalet



die Autorin:

Emelie Schepp, geboren 1979, wuchs im schwedischen Motala auf. Sie arbeitete als Projektleiterin in der Werbung, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Nach einem preisgekrönten Theaterstück und zwei Drehbüchern verfasste sie ihren ersten Roman: Der zuerst nur im Selbstverlag erschienene Thriller »Nebelkind« wurde in Schweden ein Bestsellerphänomen und als Übersetzung in zahlreiche Länder verkauft.


Klappentext:

ER wurde gezeichnet. ER tötet. ER ist neun Jahre alt.

Die Staatsanwältin Jana Berzelius wird bei einem spektakulären Fall hinzugezogen: Ein Mann wurde erschossen – die Hinweise verdichten sich, dass die Tat von einem Kind begangen wurde. Dann taucht die Leiche eines Jungen an der schwedischen Küste auf. Seine Fingerabdrücke passen zu jenen des Tatorts, doch warum sollte ein Kind einen Mord begehen? Während die Ermittler im Dunkeln tappen, ermittelt Jana auf eigene Faust. Denn der Junge, der das Wort »Thanatos« als Narbe im Genick trägt, hat ein Geheimnis, das nur Jana kennt: Auch ihr Genick ziert der Name einer Todesgottheit, und nun setzt sie alles daran, herauszufinden, warum. 



Zitate:
"Sie wusste ja, dass dieser Tag kommen und sie gezwungen sein würde, alles von dem Bösen zu erzählen, das ihr angetan worden war.Seite 137
"Das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein. Sie saß auf der Kante ihres Boxspringbettes der Marke Hästens. Das Zimmer kam ihr klein vor. Es schien zu schrumpfen, und sie hatte das Gefühl, zu ersticken." Seite 182 


Charaktere:

Der Kriminalkommissar Henrik Levin ist ein Mann mit Prinzipien. Er ist zuvorkommend und hilfsbereit, ganz ein Mann der alten Schule eben ;) 

Maria Bolander ist Kriminalobermeisterin. Sie hasst Jana Berzelius, denn sie findet sie nicht nur kalt, abweisend und überheblich, nein, zusätzlich ist sie auch unheimlich neidisch darauf, dass Jana aus vermögendem Haus stammt. Da sie selbst in keinster Weise mit Geld umgehen kann, ist ihr das natürlich ein Dorn im Auge.
Maria ist ein sehr direkter, temperamentvoller Mensch, jedoch leider mit viel zu wenig Taktgefühl. Sie befindet sich auf Grund ihrer Vorgeschichte in einem ständigen Konkurrenzkampf und muss jederzeit die Beste sein und gewinnen. Das macht sie zu einem schwierigen Menschen und einem für den Leser nicht unbedingt sympathischen Charakter.

Jana Berzelius ist eine erfolgreiche, ehrgeizige Staatsanwältin, die hart für ihren Erfolg arbeitet. Mit ihren 30 Jahren ist sie in so mancher Hinsicht bereits bedeutend weiter als die meisten Anderen. Sie bleibt meist für sich und ist eher introvertiert, was vermutlich hauptsächlich ihrer Erziehung und dem kühlen Verhältnis zwischen ihr und ihren Stiefeltern geschuldet ist. Sie hat keine warmherzige Kindheit erfahren dürfen, was sie zu einem Einzelgänger hat werden lassen 


Meinung:

Ein verzweifelter Notruf, ein Mann ist tot, eine Frau schreit... Mit diesem Sachverhalt werden wir direkt mitten ins Geschehen geschmissen. Bei der Untersuchung kann die Polizei absolut nichts entdecken, außer Handabdrücken von einem Kind. Dabei hat das Ehepaar gar keine Kinder...
Schnell finden die Ermittler heraus, dass Hans Juhlén erpresst wurde, aber abgesehen davon, fehlt ihnen leider jegliche Spur. 
Seine Frau hat angeblich keine Ahnung, wer etwas gegen ihn gehabt haben könnte, aber für Feinde sorgte allein schon seine Stelle im Amt für Migration, hier ist Zündstoff vorprogrammiert. Aber auch das hilft den Ermittlern nicht wirklich weiter, es fehlen einfach die Anhaltspunkte. Um den Mörder zu finden und dingfest machen zu können, sind sie auf jeden Strohhalm angewiesen. Aber noch bevor die Sache so richtig ins Rollen kommt, geschieht ein 2. Mord und dieser lässt eine erschütternde Vermutung zu...
Ein getöteter Mann, ein weiterer Toter; der Mordfall Hans Juhlén gibt den Ermittlern Rätsel um Rätsel auf.

Parallel dazu erhaschen wir immer wieder einen Blick auf das grausame Schicksal eines kleinen Flüchtlingsmädchens, deren Leben sich zum puren Albtraum wandelt. Die Strapazen dieses Mädchens und der anderen Flüchtlinge ist intensiv, nervenaufreibend und zieht den Leser damit in seinen Bann. Wir werden mit menschlichen Abgründen konfrontiert, die einen oftmals entsetzt zurücklassen...
Umso schlimmer werden diese Beschreibungen durch das Bewusstsein, dass, abgesehen von dem in diesem Thriller eingebauten "Extra" (hier werde ich natürlich nicht zu viel verraten) es selbst heute noch Flüchtlinge gibt, die gezwungen sind, derartige Strapazen, -zusammen gepfercht und auf Gedeih und Verderb ihren Schmugglern ausgeliefert zu sein-, auf sich nehmen.

Die Kapitel sind jeweils mit dem aktuellen Datum als Überschrift übersehen und schaffen so eine gute Vollziehbarkeit des zeitlichen Ablaufs. Auch erwarten uns des Öfteren Minicliffhanger an den jeweiligen Kapitelenden, was dem Aufrechterhalten der Spannung natürlich zusätzlich gut tut ;)

Leider hat sich für mich jedoch auch ein Manko eingeschlichen. Emilie Schepp verwendet viel Zeit und Fantasie in die einzelnen Charaktere, was sie für den Leser zwar sehr authentisch macht und dem Verständnis der jeweiligen Beweggründe und Eigenschaften dient, aber stellenweise ist sie damit nach meinem Geschmack etwas über das Ziel hinausgeschossen. Auf manche detaillierten Umschreibungen -auch von Umgebungen oder Ähnlichem- hätte man gut verzichten können. Einfach, da sich einige der Personen für den weiteren Verlauf dann doch als nicht ganz so wichtig ergeben haben. Dadurch entsteht leider in der ersten Hälfte des Buchs die ein oder andere Länge, die hätte vermieden werden können. 
Denn sowohl Grundidee als auch Durchführung, abgesehen von diesem Manko, sind wirklich gelungen und spannend!
Nach der ersten Hälfte nimmt die Story dann dermaßen Fahrt auf, dass ich das Buch nur noch schwerlich aus der Hand legen konnte.

Spannend, abgründig und absolut fesselnd!


Vielen herzlichen Dank an Blanvalet für dieses Rezensionsexemplar!



mein Fazit: 
                                 4 von 5 Sternen



Diese und meine anderen Rezensionen sind auch zu finden bei: Google+LovelybooksWas liest du?Amazon, Goodreads und Facebook